Mein Weg bis hierhin.

  1. 1988

    Geboren in Frankenberg/Eder

    Papa: Major bei der Bundeswehr, Mama: Einzelhandelskauffrau.

  2. 1994 – 1998

    Grundschule Wasenberg

    Mit meiner näher rückenden Einschulung war für meine Familie klar, dass die Umzüge wegen der Dienstorte meines Vaters aufhören mussten. Also bauten wir ein Mindener Kampa-Fertighaus. Wasenberg hatte damals noch eine eigene Grundschule. Je eine Klasse pro Jahrgang. Meine erste Schulfreizeit: Knüllgebirge.

  3. 1998 – 2004

    Schwalmgymnasium Schwalmstadt-Treysa

    Ein Schulgebäude zwischen Schwalmbräu-Brauerei und Friedhof. Das kann doch nur gut werden. In Französisch immer mit einer knappen 4, dafür in Mathe und Physik stark. Die Gründung einer Mädchenfußball-AG in der 9. Klasse. Eine Woche Berlin mit dem gesamten Jahrgang. So viele tolle Geschichten. Aber auch der Verlust meines Vaters.

  4. 2004 – 2008

    Max-Eyth-Schule Alsfeld

    Fachhochschulreife

    Viele Freunde wechselten die Schule und ich entschloss mich, in Richtung Technik zu gehen. Leistungskurse: Datenverarbeitung & Physik. Jahrgangs- und Schulsprecherin. Kurz vor dem Abi hab ich die Schule geschmissen. Schulmüde, angepunkt und planlos. Um das Fachabi zu kriegen, hab ich erst mal im Baubetrieb eines Kumpels angefangen. Erst da merkte ich, was ich kann und was meine Hände bewirken können.

  5. 2008 – 2010

    Ausbildung zur Zimmerin

    Hiddenhausen

    Mein Einstieg ins Handwerk. Knapp 80 Bewerbungen und ein Umzug von Hessen nach NRW waren nötig, um meinen Platz zu finden. Fachwerksanierungen, Dämmarbeiten und Lehmbau. Tolle Kolleg*innen, entspannte Chefs. In zwei Jahren war ich Gesellin.

  6. 2011 – 2012

    Zimmerermeisterin

    Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes, Kassel

    58 Kerle und Anni. Ein Jahr wieder Vollzeit in der Schule. Nur möglich durch Meister-BAföG, Kindergeld und Halbwaisenrente. Unter der Woche habe ich in einer WG in der Innenstadt von Kassel gelebt, an den meisten Wochenenden in der Nähe von Melle. Am Ende: stolze Meisterin.

  7. 2012 – 2013

    Angestellte im Bereich Zimmerei / Dämmtechnik

    Zimmerei, Rödinghausen

    In diesem Jahr wollte ich nach der Meisterschule wieder auf der Baustelle ankommen. Traditionelles Handwerk in Verbindung mit moderner Dämmtechnik passte dafür perfekt.

  8. 2013 – 2016

    Selbstständig im Baugewerbe

    Hille

    Selbstständig zu sein heißt: selbst entscheiden, selbst anpacken und am Ende auch selbst dafür geradestehen. Eine bunte Mischung aus Subunternehmertätigkeiten und eigenen Aufträgen, von Zimmerei und Dachdeckerei bis zum Gerüstbau. Ein Abo im Fitnessstudio war in dieser Zeit definitiv nicht notwendig.

  9. 2016 – 2017

    Büroangestellte / Pflegehelferin

    Ambulanter Pflegedienst, Petershagen

    Sonderbuchprüfung vom Finanzamt & gekürzte Rechnungen. Ich war müde von der Selbstständigkeit. Dann ergab sich die Möglichkeit, im Büro eines ambulanten Pflegedienstes anzufangen. Nach einem Vierteljahr bin ich mit rausgefahren. Mein Ziel: Die 30 Minuten, die ich bei meinen Patient*innen vor Ort war, sollten die schönsten, lustigsten und intensivsten Minuten ihres Tages werden. Eine tolle Zeit.

  10. 2017 – 2018

    Betriebs- und Produktionsleitung Holzrahmenbau

    Minden

    Die fehlende Möglichkeit zur Ausbildung („Jemand mit Meistertitel bekommt keine Unterstützung, eine weitere Ausbildung zu machen.“ – Jobcenter Minden) machte einen Jobwechsel nötig. Personalverantwortung, Kundenkontakt, Kalkulation, Planung, Statik. All das für deutschlandweite Montagen.

  11. 2018 – 2022

    Bauunterhalterin

    Region Hannover

    Ein Anruf eines ehemaligen Mitschülers der Meisterschule: „Bei der Region Hannover wird ne Stelle in der Bauunterhaltung frei. Schreib doch mal ne Bewerbung.“ Im Vorstellungsgespräch kurz verrutscht und gesagt, dass ich, als Zimmerin, nicht gerne für öffentliche Auftraggeber*innen arbeiten würde, da sie mir in Absprache und Abrechnung zu langsam seien. Hab wohl trotz der Kritik überzeugt und war vier Jahre lang für die Berufs- und Förderschulen in der Innenstadt von Hannover im Bereich Hochbau zuständig. Fenster tauschen, akustische Sanierungen für hörbeeinträchtigte Schüler*innen, Brandschutzsanierungen, Treppenhäuser streichen. Langweilig wurde es nie.

  12. 2020

    In die SPD

    In Thüringen wird Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt. Mit den Stimmen der AfD. Eine rechtsradikale Partei gibt den Ausschlag dafür, wer Ministerpräsident wird? Für mich war eine rote Linie überschritten. Ich wollte handeln. Also bin ich in die SPD eingetreten. 27 Tage später war Kemmerich nicht mehr Ministerpräsident und ich in der Sozialdemokratie angekommen. Seitdem ist einiges passiert.

  13. 2021

    Flutkatastrophe im Ahrtal

    Auch ein Moment in dem ich nicht auf dem Sofa bleiben konnte. Als ich die Nachrichten sah war klar, dass ich helfen musste. Die erste Fahrt zusammen mit 5 Jusos wurde zu regelmäßigen Wochenenden auf einem Weingut in Rech.

  14. 2022 – 2025

    Qualifizierung zur Lehrerin für Fachpraxis

    BBS 3 der Region Hannover

    Jeden zweiten Montag Seminare über Didaktik & Pädagogik, neben dem Unterricht. Dazu sechs Unterrichtsbesuche. Viel Gutes dabei, wenn man ein bisschen Abstand hat und sich selbst die nützlichen Dinge für den eigenen Unterricht rausnimmt.

  15. Seit 2023

    Altbausanierung meines eigenen Häuschens

    Endlich habe ich ein kleines Häuschen in der Altstadt gefunden. Irgendwann sind es knappe 100 m² Wohnfläche auf einem knapp 100 m² großen Grundstück mitten im Schnurrviertel. Geplant bin ich schon fertig. In Wirklichkeit brauche ich bestimmt noch ein Jahr.

  16. Seit 2025

    Fachpraxislehrerin für Bautechnik

    BBS 3 der Region Hannover

    Ich unterrichte Fliesenlegen im Dickbett? Das krieg ich nie hin – dachte ich. Den fachlichen Teil meiner Aufgabe habe ich massiv überschätzt. Darum geht es nur sehr selten. Schüler*innen, die bis jetzt noch kein passendes Angebot bekommen und keinen Abschluss geschafft haben, stehen jeden Tag vor mir. Jede*r hat eine Geschichte. Und ich versuche, ihnen einen Weg zu zeigen, wie es für sie weitergehen kann. Zusammen bekommen wir das ganz gut hin – würde ich sagen. Und das in einem System, das Schüler*innen, Sozialarbeiter*innen und Lehrkräfte damit alleine lässt.